Brief an den Landesanglerverband Brandenburg vom 08.09.2014

LAV Brandenburg

Zum Elsbruch 1

14558 Nuthetal/ OT Saarmund

  

Sehr geehrte Angelfreunde,

 

als Frankfurter Anglerverein haben wir den „Kunersdorfer See“ (F 31-110) als Pflegegewässer mit der Gründung unseres Vereins 1991 übernommen, seit 15.01.1995 besteht ein Betreuungsvertrag.

Hierbei ist festzustellen, dass dieser See schon zu DDR-Zeiten in den 60er Jahren von einem Betriebsverein zur Pflege übernommen wurde. Der Betriebsverein hat also diesen See in unser Aufgabengebiet mit hineingebracht und somit fühlen wir uns dafür verantwortlich, denn der Betreuungsvertrag ist bis zum heutigen Tag nicht aufgekündigt.

Nun wurde von staatlicher Stelle (Ministerium ELF) entschieden, dass der Kunersdorfer See an die Stadt Lebus verkauft wurde.  Der DAFV wusste über diese Entscheidung auch Bescheid.

Für die Pflege und Hege des Gewässers wurde laut Beschluss der Gemeindevertretung der dort ansässige Lebuser Anglererein „Morgenrot“als zuständig eingewiesen, welcher noch nicht mal im DAFV organisiert ist. Wir stehen nun vor vollendeten Tatsachen und ich habe eine immense Wut im Bauch.

Fakt ist, dass unsere Angler jetzt beim Angeln am See durch angebliche Fischereiaufseher vertrieben werden mit der Begründung, der See ist jetzt Eigentum der Stadt Lebus und das Angeln ist verboten. Über diese obskuren Aktivitäten habe ich E-Mails der betreffenden Angler erhalten.

Das grenzt jetzt aber an eine bodenlose Frechheit, denn wir haben in gemeinsamer Arbeit mit dem AVF Frankfurt (O.) jahrzehntelang das Gewässer mit Satzfisch bestückt, der von den DAV-Mitgliedern mit ihren Beiträgen bezahlt wurde. Da kommt mir doch glatt die Frage hoch: wer bezahlt uns den Schadensersatz, denn derartiges Recht steht uns wohl zu, oder? Hier wird unser Eigentum (die Fische!!) uns einfach vorenthalten oder sollte ich besser sagen: Gestohlen!  Desweiteren ist in den ganzen Jahren mit viel persönlichen Einsatz der See entsprechend unseren finanziellen Möglichkeiten gepflegt und gehegt worden (die unermässlichen Müllsäcke lassen sich gar nicht mehr zählen), auch wenn der See stark verlandet ist und eine Sanierung von staatlicher Seite schon vor 5 Jahren in Betracht gezogen wurde.

Wir fühlen uns ein zweites Mal enteignet, denn zu DDR-Zeiten hatten wir freien Zugang zu allen DAV-Gewässern, hatten keine restriktiven Vorschriften und fühlten uns im Sportgeschehen frei von Bevormundungen,  ̶  da war Angeln noch pure Freude, selbst wenn die westdeutschen Journalisten mir etwas anderes von Freiheit einreden wollen, sie waren aber nie dabei, sie haben keine Ahnung.  Das hat auch nichts mit DDR-Nostalgie zu tun, sondern nur eine nüchterne Feststellung erlebter Tatsachen. Heute hingegen unterliegt alles nur noch dem Kommerz, einen anderen Grund kann ich auch beim Kunersdorfer See nicht erkennen.

Außerdem muss es doch mit der Verantwortung bei unseren Funktionären gegenüber den Mitgliedern nicht weit her sein, sonst würden solche Ärgernisse nicht erst entstehen oder zumindest in gemeinsamen Arbeitsprozessen ein allgemein akzeptabler Kompromiss für alle Beteiligten gefunden werden. Unser alter ehrwürdiger Präsident Eberhard Weichenhan würde sich im Grabe umdrehen, wenn er von derartigen Verbandsgeschehen erfahren würde.

Dazu passt auch, dass wir am Oder-Spree-Kanal bei Briesen ein sehr beliebtes Angelrevier haben. Hier führen viele Vereine Ihre Veranstaltungen durch. Wir Tragen nun schon seit 10 Jahren jährlich unseren Pfingscup aus, an dem viele Angler von Vereinen aus der Umgebung sich einfinden. Nun wurde die Zufahrt einfach zum Forstweg erklärt. Seit Jahrzenten wurde diese Zufahrt durch Angler benutzt, ohne das sich jemand daran störte.

Es sollte eine Regelung auf unser Drängen gefunden werden, aber bei einem Vor-Ort-Termin nahm kein Vertreter des Landesverbandes teil. Stattdessen wurde die Aufgabe an den ehrenamtlichen Präsidenten des AVF Ffo. abgewälzt. Dieser Gewässerabschnitt liegt aber nicht im "Zuständigkeits-bereich" der Frankfuter.

Die Regelungen für die Zufahrten sind kaum für ein Mitglied verständlich, geschweige denn zu akzeptieren. Was nutzen uns denn Gewässer, die durch Mitgliedsbeiträge besetzt und gepflegt werden, wenn sie zum Angeln aber nur noch nach kilometerlangen Fussmärschen zu erreichen sind. Dabei muss beachtet werden, dass unsere Angelutensilien großes Gewicht beinhalten. Wir sind Angler und keine Wanderer.

Aktuell betrifft diese Problematik auch die Zufahrten zur Spree in unserer Umgebung. Plötzlich ist alles was rund um das Gewässer sich befindet Naturschutzgebiet. Also auch da müssen wir in Zukunft uns auf  "Wanderungen" gefasst machen.

Mich würde brennend interessieren, ob und was der LAVB endlich dagegen unternimmt, dass wir Angler entwender ingnoriert oder als Schuldige für Verunreinigungen verantwortlich gemacht werden.

Und noch ein Problem ärgert uns mächtig: wieso dürfen wir die nach der Hochwasser-katastrophe neugeschaffenen Oderdeiche in einigen Abschnitten mit unseren Fahrzeugen nicht benutzen, obwohl hier stabile Straßen geschaffen wurden. Wie gesagt auf einigen darf man fahren, auf anderen nicht.

Und mir schwant jetzt nach dem Zusammenschluss von DAV und VDSF schon weiteres Ungemach, denn unser Sportgeschehen soll auch in Beziehung Wettkampf, Preise, Gewichtung udgl. eine weitere Einschränkung erhalten. Der Zusammenschluss ist gerade ein Jahr her, und schon versuchen die VDSF-Angler uns ihre Auffassung über Vereinsaktivitäten aufzuzwingen. Das heißt, wir ostdeutsche Angler müssen uns jetzt an westdeutsche Gegebenheiten anpassen, ̶  das passt uns aber nicht!

Unser Verein hat über einhundert Mitglieder, mit denen werde ich darüber nachdenken, ob ein Austritt aus dem DAFV  eine akzeptable Richtung wäre.

 

 

Mit sportlichem Gruß

Wolfgang Neumann

 

 

Kopie      

an AVF Frankfurt (O.),

an RBB-Fernsehen